Ernst Wiechert

Der ostpreussische Schriftsteller Ernst Wiechert zählt zu den Klassikern der deutschen Literatur in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts. In den Jahren ihrer Erstveröffentlichung wurden einige seiner Bücher zu "Bestsellern". Seine Dichtungen, die auch zur Schullektüre gehörten, spielten im kulturellen Leben Deutschlands eine bedeutende Rolle. Auch heute noch wird seine Botschaft verstanden, wie ein Zitat aus Ernst Wiecherts Werken in der Ansprache des Bundespräsidenten Roman Herzog auf dem Staatsakt zum 50.Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs am 08.Mai 1995 in Berlin beweist.

Ernst Wiecherts Bücher vermögen heute Brücken zu bauen zwischen den Völkern und Kulturen und dienen auch der Verständigung mit Menschen in Polen und Russland, wo die Erinnerung an wesentliche frühe Lebensstationen des Dichters gepflegt wird. Neben der Internationalen Ernst- Wiechert-Gesellschaft (IEWG) e.V., mit über 160 Mitgliedern aus 13 Ländern gibt es regionale Wiechert-Gesellschaften in Polen (Piecki) und in Russland (Kaliningrad). In Polen liegen mehrere Übersetzungen Wiechertscher Romane in polnischer Sprache vor. In Russland ist 1999 mit dem Titel "Noch tönt mein Lied" ein erster zweisprachiger Band (russisch/deutsch) erschienen, in dem der russische Dichter Sem Simkin Wiechertsche Lyrik in russisch nachgedichtet hat. Inzwischen sind auch die beiden Werke von Ernst Wiechert "Wälder und Menschen" und "Das einfache Leben" in einer Übersetzung von Lydia Nadjagan in russischer Sprache erschienen.

Wiecherts Sehnsucht nach Stille und Zurückgezogenheit, sein Wunsch nach einer Einheit von Mensch und Natur werden auch heute verstanden. Diese naturbezogenen Gedanken, die er in kraftvoller Sprache und in vielen Bildern seinen Lesern nahebringt, haben ihn jedoch nicht daran gehindert, in mutigen Reden vor Studenten der Münchener Universität und an die Jugend seiner Zeit versteckt Kritik am nationalsozialistischen System zu üben. Er mußte seinen Bekennermut 1938 mit Lagerhaft im Konzentrationslager Buchenwald und langjähriger Gestapoaufsicht büßen.

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er empfindsame Dichter Ernst Wiechert blieb ein unbequemer Zeitgenosse. 1945/46 bezog er in redlicher Absicht Stellung zu aktuellen Fragen, wurde aber damals mehrfach mißverstanden und zog sich daraufhin in seine "innere Emigration" in die Schweiz zurück. Hier starb er 1950.

Ernst Wiecherts Romane und Erzählungen setzen auf die Kraft des Wortes. Ungeschwächt bleibt ihre Aussagekraft zu spüren, weil des Dichters Liebe zur Natur und seine Gesten der Versöhnung dem Leser auch heute noch Trost und Zuversicht vermitteln. In der Verantwortung gegenüber dem eigenen Gewissen und einer Menschlichkeit, die auf Gerechtigkeit, auf Verzicht von Phrasen und Oberflächlichkeit und auf einer Liebe zum Menschen gründet, hat Ernst Wiechert in seinen Werken ein beeindruckendes Bekenntnis abgegeben.

Für seine Erzählung "Der Hauptmann von Kapernaum" erhielt Ernst Wiechert den Literaturpreis der Europäischen Zeitschriften, für "Die Magd des Jürgen Doskocil" den Wilhelm-Raabe-Preis und für den Roman "Jedermann" den Schünemann-Preis.

Zu seinem 50.Todestag hat die Deutsche Post im August 2000 ein Sonderpostwertzeichen herausgeben.

In regelmäßigen wissenschaftlichen Tagungen erarbeitet die 1989 gegründete "Internationale Ernst-Wiechert- Gesellschaft" das literarische Erbe des Schriftstellers. Die Ergebnisse werden in den Publikationen der Gesellschaft veröffentlicht. Daneben erscheinen Aufsätze und Berichte in Zeitungen und Zeitschriften. Mitglieder der Gesellschaft stellen den Schriftsteller auch auf Veranstaltungen und mit Lesungen vor.

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